Flehend
Vielleicht sind wir beide blind
erkennen die Wahrheit nicht
So dicht davor
und doch unüberwindbar weit weg
Wo einst klare Grenzen
zerfließen die Farben
zu einem Bild
verwischt ist die Klarheit
nicht interpretierbar
das Gemälde
Vielleicht verstehen wir beide nichts davon,
bilden uns etwas ein
schweben beide in den falschen Gedanken
befinden uns am falschen Ort
Wenn Du an mich glaubst,
dann findest Du mich
irgendwo hinter den Dünen
siehst Du mein Versteck
und nur Du
bist in der Lage,
mein Rätsel zu lösen
Farben-Dschungel
Es ist Zeit,
Aufzustehen und wegzugehen -
Weitergehen.
Durch den riesigen Farbendschungel -
Annemonen hier das Grün.
Selbstverliebt -
Du magst mich nicht.
Seetangrot-
Ich kann nicht so weitergehen.
Urwaldriesen ihr Weisen,
Hab mich dunkelblau verirrt,
Finde keine Schneisen,
Libellen kommen angeschwirrt -
Stehe hier alleine reisend.
Wüstenwind
Und unser Leben ist wie der Wüstenwind
Der in der Wüste klingt
Und dort vom Leben singt
Es fegt ein Sturm über unsere kleine Existenz
Mit der Permanenz
Eines verschrobenen Gespensts
In Europa
Das uns das fürchten lehrt
Und somit nie umkehrt
Und der Sturm wird zum Regen
Es wird keinen anderen mehr geben
Nicht in meinem kurzen Leben
Es kann ja nicht immer regnen
Ich werde mich selbst segnen
Mit der Kraft und Schönheit eines Leopards
Der in der Wüste galoppiert
Und schon triumphiert
Weil er sein Leben im Schlaf lebt.
Und unser Leben ist wie der Wüstenwind
Der in der Wüste klingt
Und dort vom Leben singt
Und der Sturm wird zum Regen
Es wird keinen anderen mehr geben
Nicht in meinem kurzen Leben
Und wenn ich dir begegne
Dann werd ich dir entgegentreten -
Denn es kann ja nicht immer regnen.
Waldträume
Tief ein und ausatmend ging den Waldweg entlang und genoss die stille Kühle des kalten Herbsttages. Meine beste Freundin Julia hatte sich kurz zuvor von mir verabschiedet, sie wollte nach Hause um ihrem Verlobten etwas zu Mittag zu kochen. Ich hatte keinerlei solcher Verpflichtungen und ging in Gedanken versunken, der Boden zu meinen Füßen bewegte sich nahezu mechanisch. Die abgestorbenen Blätter bildeten einen weichen feuchten Teppich auf dem das Laufen angenehm war.
Obwohl ich mich bereits warm gelaufen hatte, wurde mir allmählich kälter und ich zog den Reißverschluß meines Mantels ein Stück höher.
Julia sollte sich nicht so sehr von Christoph beeinflussen lassen, dachte ich. Trotzdem, sie merkte es anscheinend nicht einmal und so lange sie sich glücklich fühlte sollte es mir recht sein.
Die Einsamkeit und Ruhe tat mir nach einer angestrengten Woche gut. Allein mit meinen Gedanken schien ich gefangen in mir selbst und nahm die vorüberfliegenden Schatten nur bedingt wahr.
Langsam sank ich zu Boden, spürte das nasskalte Laub. Ich vergrub meine Hände darin so tief es ging und zerwühlte es. Die kühle Feuchte spürte ich warm und angenehm an meiner Hand.
Visionen von Tod und Verwesung plagten mich. Langsam sollten die Blätter ihrem Verfall überlassen sein und der Erde wieder übergeben werden. Ihre geheimen stillen Schreie hallten in meinem Kopf wieder und bildeten eine Kakophonie, die langsam anschwoll. Die Schatten der Bäume verzerrten sich zu einer toten Armee von Ästen und Gestrüpp. Meine Augen schlossen sich, doch die Bilder blieben. Ich wälzte mich im Laub und weich wurde ich empfangen und verfiel in einen tiefen Minutenschlaf.
Als ich hochschreckte war alle Bedrohnis des Waldes abgefallen und er schien mich friedlich und behaglich wie eine schützende Höhle zu umgeben. Blass vor Erschöpfung trottete ich Schritt für Schritt nach Hause.
Ich sollte Julia nie wiedersehen.
Die Flasche
Den Bauch noch
voll-er guter Hoffnung,
Der Verschluss sitzt noch fest,
da hört sie sich nähern,
einen MENSCHEN,
wissend, das gleich
das Unheil geschieht,
und doch regungslos
verharrt sie,
gleich wird sie geleert,
ihr Herz, es ruft nach
Mitleid und Erbarmung,
doch des Menschen
Ohren sind geschlossen.
Später dann,
völlig entleert,
liegt sie in den Todeszügen,
entblößt
fühlt sie sich,
während sie sich mit leerem Kopf
ihrer Nacktheit schämt.
Ein neues Opfer
der Brutalität
des Menschen.
Diana
Morgen
Meine Gedanken sind verworren
wie das Netz feiner Spinnweben
Hilfesuchend kauere ich in der Ecke
des verzweigten Labyrinths
Endlos erstreckt sich der Pfad
eines einzigen Gedankens
Weit entfernt und drohend erhebt sich
die Decke gegen den Boden
Es stellt sich die unerlässliche Frage
welcher Weg der Richtige sein mag
Einer wie der andere
scheint mächtig und beängstigend
Zögernd wende ich mich dem einen zu
Soll er mir das Ziel näher bringen
Schwere
Oh Schwere
Die Schwere
Der Schwere
Oh Schwere
schwer tut
Oh Liebe
Die Liebe
Der Liebe
Oh Liebe
lieb tut
Oh Sehnsucht
Die Sehnsucht
Der Sehnsucht
Oh Sehnsucht
sehnsucht tut
von Diana
Bierdeckel
Lautlos schreiend liegen sie da,
mit tapferem Herzen,
voller Drang
Verirrte Seelen im
gefährlichen Sturm,
hilflos wartend auf
ihr von-Dannen gehn
zögernd erwartend,
dass das Glase sich leert
den Jüngling erblickend,
der sich erbarmungslos nähert
Oh, wie die Klage leise verhallt,
so mag ich nicht schauen
das große Leid,
grausam wendet sich
jeder ab,
so auch ich und Du
Diana & Christine
Tiefer Fall
Sie wandelt über eine Brücke
Ein Blick hinunter
Tiefe unter ihr
Ein Knacken
Das Gemäuer stürzt
in sich zusammen
Steinmassen ziehen sie hinab
Endlos der Fall
Vor dem Aufprall
Entrinnt sie ihrer Furcht
und erwacht…